Der nasse Klimaschatz

Um die Klimaziele zu erreichen, müssten jedes Jahr Zehntausende Hektar landwirtschaftlich genutzte Moorflächen wiedervernässt werden. Doch bisher passiert das viel zu selten – auch, weil die EU das Weiter-so auf trockengelegtem Grund noch subventioniert. Nun sollen neue Fördermilliarden die nasse Landwirtschaft belohnen. Eine Recherche in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern zeigt, wo es derzeit noch hakt – und was möglich ist

Wolfgang Schleich auf seinem Bagger
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Leonie Bender und David Haas
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Christian A. Werner
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Ländliches Bayern, Donautal, ein Geländewagen ruckelt über einen Feldweg. Schlaglöcher und matschige Senken schütteln das massige Fahrzeug durch. Am Steuer sitzt Landwirt Christian Mayer, er möchte die Tiere vorführen, die er hält. An diesem Tag ist das gar nicht so einfach – obwohl es sehr große Tiere sind. „Mal schauen, ob wir bei dem Wetter welche finden“, sagt Mayer.

Das Leipheimer Moos – in Süddeutschland wird ein Moor gern Moos genannt – ist in dichten Nebel gehüllt. Keine zehn Meter Sicht. Erst mal ist nichts zu sehen außer einer weißen Wand. Dann erscheinen auf einer Anhöhe dunkle Silhouetten. Die Umrisse könnten auf Kühe schließen lassen, doch diese Gestalten sind bulliger und ihre geschwungenen Hörner stehen seitlich vom Kopf ab. Es sind Wasserbüffel.

In der Gemeinde Leipheim, nordöstlich von Ulm, helfen die urigen Rinder dem Weidebetrieb von Christian Mayer und seiner Frau Regina Schmid dabei, auf nassem Grün zu wirtschaften. Gut sechzig Wasserbüffel grasen hier auf hundert Hektar Weidefläche, alles feuchtes Moorland. Die robusten Tiere fühlen sich auf der schlammigen Wiese wohl. „Sie schieben teilweise Löcher von bis zu zwei Metern aus“, erzählt Mayer. „Wenn sie im Sommer keine Suhle haben, ist das für sie schlimmer als minus zehn Grad im Winter.“ Kälte vertragen sie, fast das ganze Jahr stehen sie auf der Weide.

Ein Moorbauer und seine Ernte Auf seinem Betrieb im Leipheimer Moos testet Landwirt Christian Mayer die Paludikultur – die Ernte ist für den Abtransport verpackt

Noch ist Wasserbüffelhaltung hierzulande ein Nischenphänomen, so wie die Landwirtschaft auf nassem Boden insgesamt. Doch damit Deutschland bis 2045 klimaneutral wird, sollen solche Konzepte Schule machen – und dazu beitragen, eine, wie man heute weiß, für Natur und Klima folgenschwere Entwicklung zumindest teilweise zu korrigieren. Denn landauf, landab wurden fast alle Moore trockengelegt, mit der Folge, dass der torfige Boden zersetzt wird und der über Jahrtausende darin eingelagerte Kohlenstoff entweicht. Etwa 53 Millionen Tonnen CO2 gelangen so jedes Jahr in die Atmosphäre. Das ist etwa so viel, wie das Land Portugal insgesamt verursacht, und entspricht fast acht Prozent der Gesamtemissionen Deutschlands.

Um ihre Klimaziele zu erreichen, müsste die Republik laut einer Analyse des Wissenschaftlichen Beirats für Natürlichen Klimaschutz jedes Jahr 500 Quadratkilometer der trockenen Moorböden wiedervernässen – eine Fläche so groß wie der Bodensee. „Das ist eine Riesenaufgabe, vergleichbar mit dem Kohleausstieg“, sagt Sabine Wichmann vom Greifswald Moor Centrum. Das Problem: Rund zwei Drittel der Moorflächen werden landwirtschaftlich genutzt, als Grünland für die Beweidung und zur Futtergewinnung, teils auch als Ackerland. Wenn der Plan aufgehen soll, müssen Politik und Gesellschaft also kreative Lösungen finden und finanzielle Anreize zur Wiedervernässung schaffen. Große Hoffnungen ruhen auf der sogenannten Paludikultur (lateinisch palus: Sumpf, Morast), dem Anbau von Nutzpflanzen in sumpfigem Gelände. Die Haltung von Wasserbüffeln ist die tierische Variante davon.

Moorschutz als Geschäftsmodell?

Im Donautal, wo Christian Mayer und Regina Schmid ihren Hof betreiben, dauerte es mehr als zwanzig Jahre, bis sich die ursprünglich aus Asien stammenden Tiere wohl und willkommen fühlen konnten. Im Jahr 1990 war das Moor noch eine trockene Wiese, auf der Schafe grasten. Dann begann die Arge, ein eigens gegründeter Landschaftspflegeverband, das Leipheimer Moos zurückzuholen. Von der Nau, einem nahegelegenen Flüsschen, wurde eine 3,7 Kilometer lange Rohrleitung verlegt. Seit 2011 fließen pro Sekunde bis zu neunzig Liter Wasser ins Moor und halten die Wiese triefend nass.

2013 kamen die ersten Büffel ins Donautal. Die anfänglich vier Hektar großen Testflächen wuchsen mit der Zeit und so auch die Einnahmen. Das Fleisch der Tiere gilt als hochwertig und lässt sich für einen guten Preis verkaufen. Heute sieht Mayer gelassen auf das damalige Wagnis zurück. „Wir schwimmen gegen den Strom“, sagt er. „Man muss neue Sachen ausprobieren. Sonst wird es langweilig.“

Das Gros verdienen Mayer und Schmid jedoch auf andere Weise: Sie bewirtschaften ihr Land naturverträglich, erhalten damit eine kostbare Moorlandschaft und betreiben so nebenbei effektiven Klimaschutz. Gleich mehrfach werden solche Dienste an Natur und Gesellschaft heute honoriert. Da sind etwa die Zahlungen für die Pflege sogenannter Ausgleichsflächen, aus denen ein großer Teil ihres Landes inzwischen besteht und mit denen etwa der Bau von Autobahnen kompensiert werden soll. Außerdem werden Mayer und Schmid über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm dafür belohnt, dass sie ökologisch wertvolle Flächen nach dessen Vorgaben bewirtschaften, also zum Beispiel auf Düngemittel verzichten. Von der EU gibt es im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) Geld für extensives Dauergrünland, eine Prämie für den Verzicht auf Spritzmittel und obendrein die übliche Betriebsprämie. Alles in allem erhielt das Ehepaar im vergangenen Jahr pro Hektar 845 Euro an öffentlichen Geldern, insgesamt
59.150 Euro. Ohne solche Zahlungen wäre ihre Art zu wirtschaften in einem auf Hochleistung getrimmten Markt nicht rentabel.

Auf einer gut einen halben Hektar großen Testfläche baut Christian Mayer außerdem seit knapp fünf Jahren mit einem Kollegen ein schilfartiges, schnellwüchsiges Gewächs namens Rohrglanzgras an. Beim Laufen über das mit Wasser vollgesogene Feld steigt von unten Kälte in die Stiefel, unter einer scheinbar trockenen Oberfläche sind Boden und Pflanzenreste mit Wasser vollgesogen. Mayer tuckert in seinem roten Traktor mit angeschlossenem Mähwerk durch den Nebel und schneidet das hohe Gras. Schon bis zu 7,8 Tonnen Ernte kommen pro Jahr zusammen, in Folie verpackte Rundballen liegen zum Abtransport bereit: robustes Material, das bisher vor allem als Futter- und Energiepflanze genutzt wurde, aber auch als Paludi-Baustoff großes Potenzial hat.

Förderung mit Lücken und Tücken

Das Donaumoos ist ein Beispiel dafür, wie die Wiedervernässung der Landschaft funktionieren kann – und gleichzeitig dafür, was bisher meist schiefläuft. Seit 2023 bietet das Land Bayern neben dem Vertragsnaturschutz auch Förderungen speziell für Moorbauern an. Mit bis zu 3300 Euro pro Hektar und Jahr wird nasses Dauergrünland belohnt, das ist weit mehr, als Mayer und Schmid für ihre Weidehaltung bekommen. Trotzdem wird das Programm bislang kaum genutzt.

Der Hauptgrund für den geringen Zuspruch dürfte sein, dass das Moorbauernprogramm zu viele Fallstricke enthält, die eine Wiedervernässung für die Landwirte riskant machen. So haften sie im Falle eines Schadens selbst. Sollte etwa durch die Vernässung das Feld eines Nachbarn ungewollt geflutet werden, muss der Moorbauer ihn finanziell entschädigen. Überdies ist die Förderung derzeit auf zwölf Jahre begrenzt. Danach könnten sich die Landwirte gezwungen sehen, die Flächen für lohnendere Kulturen wieder trockenzulegen, was kostspielig und ökologisch widersinnig wäre. Christian Mayer ist da ein Sonderfall: Seine Büffelweide ist Teil eines Projektes, bei dem die Regierung von Schwaben notfalls die Haftung übernimmt.

Andere Agrarsubventionen stehen den Programmen für die Wiedervernässung sogar regelrecht entgegen – etwa EU-
Direktzahlungen zur Einkommensstütze. Sie werden auch dann ausgezahlt, wenn sich die Flächen auf entwässerten Mooren befinden (Infobox links). So fließen jedes Jahr Abermillionen von Agrarsubventionen in die entgegengesetzte Richtung. Sie sorgen dafür, dass die herkömmliche Landwirtschaft attraktiv bleibt, und tragen so dazu bei, dass es mit der Wiedervernässung nicht vorangeht.  

Denn am Ende entscheidet auf jedem Hof die Wirtschaftlichkeit – und genau daran scheitert die Wiedervernässung bislang oft. „In der Regel gibt es für die Betriebe derzeit keine ökonomisch darstellbare Option, wiederzuvernässen und dabei zuverlässig
Einkommen zu generieren“, sagt Cora Petrick von der Denkfabrik Agora Agrar. „Es fehlen Wertschöpfungsketten und meist auch verlässliche Wiedervernässungsprämien.“

Ein echter Markt für Paludi-Produkte konnte sich bislang nicht etablieren. Es ist ein klassisches Henne-Ei-Problem: Die Landwirtschaftsbetriebe zögern, weil es noch keine Paludi-Nachfrage gibt. Und potenzielle Abnehmerinnen investieren nicht, weil noch kaum Paludi-Materialien verfügbar sind. Trotzdem ist Mayer zuversichtlich, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren steigen wird. Ein lokales Bauunternehmen stellt aus seinem Rohrglanzgras bereits Dämm- und Trockenbauplatten her.

Alternative aus dem Moor Sumpfpflanzen wie das Rohrglanzgras lassensich zu Bauplatten verarbeiten. Die sind umweltfreundlichund mit Extranutzen fürs Klima

Schwindender Grund

Ein Sprung ans andere Ende der Republik. Im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern liegt die weite Ebene der Friedländer Großen Wiese. Ein kalter Wind weht über das Gras, Gräben ziehen sich schnurgerade durch das Grün. Was heute wie gewöhnliches Grünland wirkt, war früher eines der größten Moore Deutschlands. Rund hundert Quadratkilometer groß ist das Gebiet nahe der polnischen Grenze. Was man nicht sieht: Im schwarzen Torfboden liegen unzählige Rohre vergraben, Artefakte aus DDR-Zeiten, die seit den Sechzigerjahren überall verlegt wurden, um die Moore zu entwässern. Tausende Kilometer Rohre sollen insgesamt in Ostdeutschland unter der Erde liegen. Landwirt Rainer Holz, dessen Familienbetrieb am Rand der Friedländer Großen Wiese liegt, erinnert sich: „Man sagte damals: Das wird alles verbuddelt, das siehst du nie wieder und es wird für immer laufen.“ Es war das letzte Kapitel einer langen Geschichte der Entwässerung, die im 18. Jahrhundert begann. Später wurde sie intensiviert, um Torf zu stechen, dann um Rinder zu mästen. Doch was einst als fortschrittlich galt und den Menschen Auskommen und Perspektive versprach, erweist sich heute als nicht mehr zeitgemäß.

Trockengelegt – und tiefergelegt Schnurgrade Entwässerungsgräben durchziehen dieFriedländer Große Wiese in Mecklenburg-Vorpommern

Denn infolge der Eingriffe sackt das Land nach und nach ab. Rainer Holz zeigt ein altes Stauwehr. Vor einigen Jahrzehnten habe es noch auf dem Niveau der benachbarten Felder gelegen, erklärt er, und als Brücke über einen Entwässerungsgraben gedient. Heute steht das Wehr knapp einen Meter über dem Grund – der Torfboden hat sich verdichtet oder buchstäblich in Luft aufgelöst. Denn das organische Material wird abgebaut und der darin enthaltene Kohlenstoff freigesetzt – aus der Friedländer Großen Wiese entweichen nach Schätzungen jährlich mehr als 200.000 Tonnen CO₂ in die Atmosphäre. Das schadet nicht nur dem Weltklima. Auch die Bewirtschaftung wird immer schwieriger, denn der Boden verliert seine Fruchtbarkeit, bis der Torf komplett verschwunden und eine Bewirtschaftung nicht mehr möglich ist. Eine Zukunft, die alle Felder auf trockengelegten Moorböden erwarten könnte.

Dabei gab es in den vergangenen Jahren Anläufe, die Friedländer Große Wiese wieder nasser zu machen. Schon 2019 kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus ein Modellprojekt an: Landwirtschaftsbetriebe, Wissenschaftlerinnen und Naturschützer sollten gemeinsam einen Plan entwickeln, wie das größte zusammenhängende Niedermoorgebiet des Bundeslandes künftig klimafreundlicher genutzt werden kann, ohne dass die Landwirtschaft verschwindet. Erste Erfahrungen mit höheren Wasserständen in der Region gibt es bereits: Am nahegelegenen Naturschutzgebiet Galenbecker See, an dem seltene Seeadler und Eisvögel brüten, wurde zur Stabilisierung des Ökosystems zwischen 2001 und 2007 eine Testfläche wiedervernässt. Auf einem kleinen Teil der nassen Flächen, die dem Land Mecklenburg-Vorpommern gehören, erntet auch Landwirt Rainer Holz Gras für seine Kühe.

Bereit zum Umsteuern Landwirt Rainer Holz ist offen für Neues: Er nutzteine wiedervernässte Testfläche als Grünland. An einem alten Stauwehr sackt das Land großflächig ab

Auf anderen Flächen der Friedländer Großen Wiese ist es komplizierter. Während die historischen Moorentwässerungen von oben verordnet wurden, muss eine Wiedervernässung mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Zahlreiche Genehmigungen sind nötig, auch von Wasserwirtschaftsämtern und Ministerien, die oft aufwendige Gutachten fordern. Viele Flächen gehören nicht dem Land, sondern privaten Eigentümern.

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Den größten Anteil an der Friedländer Großen Wiese hält der bayerische Agrarkonzern Osterhuber Agrar GmbH. Mit mehr als 20.000 Tieren führt er einen der größten Rindermastbetriebe von Mecklenburg-Vorpommern und nutzt die Flächen intensiv zur Futtermittelproduktion. Eigentlich sollte ein „Wiesenbeirat“ ein gemeinsames Konzept für die Zukunft des Moorgebiets entwickeln, doch er kam nie zustande. Erst verzögerte die Pandemie die Treffen, dann verliefen die Gespräche im Sande und mehrere Anläufe, sie wieder aufzunehmen, scheiterten. Nach Darstellung von Beteiligten war ein zentraler Streitpunkt die Frage von Entschädigungen und Ersatzflächen. Osterhuber wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Bringen neue FörderMilliarden die Wende?

Das Beispiel zeigt, woran die Wiedervernässung oft scheitert: an komplizierten Eigentumsverhältnissen, langwierigen Verfahren und fehlenden finanziellen Anreizen. Tatsächlich kommt Deutschland mit seinen Mooren bisher nur schleppend voran. Statt der nötigen 500 wurden zuletzt nur rund zwanzig Quadratkilometer Moor pro Jahr wiedervernässt, stellte der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz fest.

Eine atmo-Nachfrage in den Bundesländern zeigt zudem, dass oft nicht einmal genaue Zahlen zum Umfang der Wiedervernässung bekannt sind. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg befinden sich viele Projekte noch in der Planung oder Pilotphase. In Bayern, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen lassen sich Maßnahmen zwar teilweise beziffern, ihr Umfang ist aber überschaubar. In Niedersachsen, dem moorreichsten Bundesland, wurden in den vergangenen zwanzig Jahren gerade mal 35 Quadratkilometer Agrarfläche wiedervernässt. Mecklenburg-Vorpommern liegt mit Maßnahmen auf rund 150 Quadratkilometern zwischen 2010 und 2022 weit vorn. Doch der Besuch im Vorreiter-Bundesland zeigt: Auch hier hapert es oft noch mit der Umsetzung.

In den nächsten Jahren aber könnte die Wiedervernässung Fahrt aufnehmen – dank eines Förderprogramms in Milliardenhöhe, das vom Bundesumweltministerium Mitte April vorgestellt wurde. Bis Ende 2029 stellt der Bund mit der Förderrichtlinie „Palu“ als Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz rund 1,75 Milliarden Euro bereit, um Wiedervernässung und neue Wertschöpfung – etwa durch Schilfanbau oder Wasserbüffelhaltung – zu unterstützen. Betriebe können dafür bei der vom Umweltministerium beauftragten Landwirtschaftlichen Rentenbank direkt Anträge stellen. Die Bank gleicht die Kosten für Wiedervernässung aus und bezuschusst anschließende Verluste.

„Die Palu-Richtlinie ist ein Türöffner, weil sie erstmals in größerem Umfang Angebote zur Umstellung auf Paludikultur macht und mehr Planungssicherheit schafft“, sagt Sabine Wichmann vom Greifswald Moor Centrum. Die Richtlinie könne ein Wendepunkt für den Moorbodenschutz sein, insgesamt sollen 900 Quadratkilometer wiedervernässt werden. Wie groß die Wirkung tatsächlich sein wird, hänge von der Umsetzung ab und werde sich in den nächsten Jahren zeigen, so die Expertin.

In Mecklenburg-Vorpommern sind die Erwartungen jedenfalls hoch: Bis 2045 sollen dort auf allen landwirtschaftlich genutzten Moorflächen flurgleiche Wasserstände, also auf Höhe der Geländeoberkante, erreicht werden, erklärt Ulf Schiefelbein, Moorschutzreferent im Ministerium für Klimaschutz. „Wir bereiten die Infrastruktur dafür gerade vor, etwa indem wir die Stauanlagen erneuern.“ Die Wiedervernässung bleibe freiwillig. Doch angesichts von Klimawandel und steigender Wasserknappheit lägen hohe Wasserstände im Interesse aller Landnutzer – auch auf der Friedländer Großen Wiese, so Schiefelbein.

Es kommt nun vor allem darauf an, dass landwirtschaftliche Betriebe sich für die Wiedervernässung begeistern lassen. Dafür braucht es Vorreiterinnen und Vorreiter, die ihre Berufskollegen überzeugen. Paludikultur-Pioniere wie Regina Schmid und Christian Mayer aus dem Leipheimer Moos in Bayern.

Mayer ist überzeugt, dass die Umstellung auf nasse Landwirtschaft für seinen Betrieb der richtige Schritt war. „Ich will den Hof meinen Kindern übergeben – also müssen wir jetzt anfangen, den Boden zu schützen. Und die Wiedervernässung ist der Weg dafür.“

Die Recherche für diesen Artikel wurde durch ein Climate Arena Fellowship der Arena for Journalism gefördert.