OP am offenen Akku
Chris Le Roux stößt eine graue Brandschutztür auf. „Das ist unser OP“, sagt der 48-Jährige und schmunzelt. Tatsächlich erinnern die Hubtische mit den orangefarbenen Gummidecken an einen Operationssaal. Aus dem Radio dröhnt „High Voltage“ von AC/DC. Das passt: Bei Voltfix im Norden Hamburgs reparieren sie Hochvoltsysteme. Ein voller E-Auto-Akku könnte einen Haushalt eine Woche lang mit Strom versorgen.
Die Zahl der in Deutschland zugelassenen E-Autos steigt. Auch der Gebrauchtmarkt wächst – und damit ein Problem: Ein kaputter Akku außerhalb der Garantiezeit gilt derzeit noch als Totalschaden. Die Garantie endet meist nach 160.000 Kilometern oder nach acht Jahren. „Ein E-Auto kann aber viel weiter und länger fahren“, sagt Le Roux. Der gebürtige Südafrikaner, Vollbart, Jeans und Sneakers, grüßt beim Rundgang lässig seine drei Teammitglieder. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit E-Mobilität, war auf Schulungen von Renault in Paris, lernte dort, Batterien zu reparieren. „Ich dachte, das muss doch auch mit anderen Fabrikaten gehen.“ Es ist nachhaltiger, als sie zu entsorgen oder zu recyceln. Und günstiger: „Für ein kleines Auto kostet eine neue Batterie zehn- bis zwölftausend Euro, bei größeren Autos das Doppelte“, sagt Chris Le Roux. „Eine Reparatur dagegen zwei- bis viertausend Euro.“ Trotzdem sind Werkstätten wie Voltfix noch sehr, sehr selten.
Am häufigsten sind Defekte in den Zellen, also den kleinen Bausteinen einer Batterie. Meist sind die Zellen zu Modulen zusammengefasst. Die lassen sich zwar oft, aber nicht bei allen Modellen tauschen. Und nicht immer wollen oder dürfen Hersteller Ersatz liefern. Chris Le Roux besorgt sie dann zum Beispiel bei findigen Werkstätten im Ausland.
Beim Handling von Hochvoltbatterien drohen tödliche Stromschläge. Fehler können zu schwer löschbaren Bränden führen. Darum ist das Team von Chris Le Roux speziell geschult, die Werkstatt erfüllt hohe Standards. „Wir werden das aber nicht ewig machen“, sagt Le Roux. Irgendwann werde es günstige Standardmodelle geben, die ausgetauscht und hoffentlich recycelt werden. Le Roux will dann andere Komponenten am E-Auto reparieren. Und weiterhin E-Mobilität nachhaltiger machen.




