Pfand

„Warum gibt es Aufstriche nicht im Mehrwegglas?“

Bierflaschen gehen zurück, Marmeladengläser nicht. Iris Vilsmaier fand das absurd – und erfand ein Mehrwegsystem, das jetzt in immer mehr Läden steht

Grüner Aufstrich in einem Schraubglas mit frischem Basilikum und Avocado dekoriert
©
Text
Jan Rübel
Fotos
Circujar
Lesezeit
0
Min
Erscheinungsdatum
18.08.2025

Eigentlich geht man zum Altglascontainer, um etwas loszuwerden. Iris Vilsmaier brachte vor fünf Jahren etwas von dort mit nach Hause: eine Idee, aus der eine Firma werden sollte. „Ich sah die Gläser von Aufstrichen, Marmelade, Pesto, Senf – und dachte daran, dass Einwegbehälter nun wirklich keine gute Ökobilanz haben.“ Die Wiederverwendung von Mehrweggläsern verursacht im Vergleich zum energieaufwendigen Einschmelzen von Altglas siebzig bis neunzig Prozent weniger Emissionen.

Vilsmaier fragte sich mit Blick auf ihre Aufstriche: „Warum gibt es die nicht im Mehrwegsystem, wie bei Getränken?“ Diese Frage stellte sie fortan auch anderen. Als Antwort hörte sie oft: „Weil es bisher noch niemand gemacht hat.“ Überzeugend klang das aus ihrer Sicht nicht. Auch nicht der Hinweis, dass es vor rund vierzig Jahren einen zaghaften Versuch gegeben hatte, der rundweg scheiterte. Iris Vilsmaier ging mit ihrem Partner Christian ans Werk und entwickelte „Circujar“, ein Unternehmen, mit dessen Hilfe Anbieter von Pasten, Marmeladen und Co. den Weg in die Kreislaufwirtschaft finden. Der Name ist eine Kombination aus „circular“ (Kreislauf) und „jar“ (Glas).

Sixpack der Kreislaufwirtschaft In Läden, die Produkte in Circujar-Gläsern anbieten, kann man diese auch wieder abgeben. Dann drehen sie noch viele Mehrwegrunden

„Wir sprachen mit Glashütten, die sagten ‚Ich mach’ mir doch nicht den Markt kaputt!‘, aber auch anderen, die fast physische Schmerzen beim Gedanken verspürten, was mit ihren Gläsern bisher passiert.“ Circujar bietet ihnen eine schmerzmindernde Perspektive: „Unsere Circujars sind als Mehrwegglas entwickelt“, sagt Vilsmaier. „Sie lassen sich gut reinigen und individuell gestalten.“ Die Hersteller können die Gläser gegen Gebühr und Pfand nutzen, „ansonsten bleibt für sie fast alles wie gewohnt“. Das heißt: Circujar übernimmt, sobald die Gläser von der Kundschaft in den Laden zurückgebracht werden, Abholung, Transport, Reinigung und Wiederauslieferung. Dieser Service wird über eine Nutzungsgebühr finanziert.

Circujar kooperiert derzeit mit 13 Lebensmittelproduzenten und -abfüllern. „Damit erreichen wir viele Biohändler, auch Ketten wie Bio Company, die meisten Unverpacktläden und erste Edekas. Und überall dort, wo man die Gläser mit Produkten unserer Kunden kaufen kann, kann man diese auch wieder abgeben – die Rücknahmeautomaten sind entsprechend freigeschaltet.“ Und Circujar wächst weiter. Wie weit? Vilsmaier hofft: „Kein Supermarkt, in dem es keinen umfassenden Mehrweg gibt.

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