Wohnungsnot

Bureaux du Cœur

Leere Büros als Schlafplatz für Obdachlose: In Frankreich funktioniert das bereits in vielen Städten. Bald auch in Frankfurt und Hamburg?

Kinda Garman
©
Lorraine Hellwig
Text
Hanna Gieffers
Lesezeit
0
Min
Erscheinungsdatum
29.10.2025

Büros statt Bürgersteig

Wieso liegen diese Menschen auf den Abluftschächten der Métro und haben keine Wohnung? Das fragte sich Kinda Garman als Mädchen, als sie an der Hand ihrer Mutter durch die Straßen von Paris ging. „Alle scheinen zu akzeptieren, dass es Obdachlose gibt, nur Kinder nicht“, sagt die Französin heute. Bereits mit vier Jahren ging sie mit ihren syrischen Eltern auf Demos. Ihr Drang, etwas zu verändern, führte sie schließlich zum Verein Bureaux du Cœur, Büros der Herzen. Der bringt Obdachlose nachts in Firmengebäuden unter. Heute arbeitet die 32-Jährige mit ihren zehn Angestellten an der Umsetzung der Idee.    

In Paris, wo Wohnungsnot und Armut sich zuspitzen, müssen viele auf der Straße schlafen. Im Januar 2025 waren es mehr als 3500 Menschen – während zahllose Büros nach Feierabend leer stehen, beheizt und oft auch beleuchtet. Mitgründer Pierre-Yves Loaëc kam deshalb 2019 darauf, Firmen und Obdachlose zusammenzubringen. „Vertrauen ist dabei das Wichtigste“, sagt Garman, hinter ihr eine Herz-Girlande. Trotzdem gibt es zwischen allen Beteiligten Verträge. Mit Sozialarbeitern wählen sie die „Gäste“ aus, wie sie die Bedürftigen nennen. Sie müssen mindestens 18 Jahre alt, drogenfrei und psychisch stabil sein – und, falls arbeitslos, an einem Jobprogramm teilnehmen.

In fünf Jahren haben so 300 Unternehmen, etwa die Versicherung Axa, ihre Büros für 800 Obdachlose geöffnet. Eine Hilfe, die Perspektive gibt: Fast neunzig Prozent der Obdachlosen hätten bald darauf Job und Wohnung gefunden, so Garman.

„Die Unternehmen machen mit, weil sie positiv auf die Gesellschaft einwirken wollen“, erklärt sie. Viele Mitarbeitende seien stolz, dass ihr Arbeitgeber sich engagiere – und sogar dafür zahle: Im Schnitt 800 Euro jährlich, womit sich der Verein zusätzlich zu Spenden und Stiftungsgeldern finanziert. In Frankreich öffnen Unternehmer in 37 Städten jede Nacht ihre Bürotüren, außerdem in Barcelona, Lausanne, Lissabon, Brüssel. Derzeit arbeitet Kinda Garman daran, „Herzensbüros“ in Frankfurt und Hamburg zu finden.

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