Gesammeltes Wissen

„Daten sind Weltkulturerbe”

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Frank Oliver Glöckner rettet bedrohte US-Klimadaten vor Trumps Löschpolitik – von Bremerhaven aus

Mann steht neben Server-Schränken in einem dunklen Serverraum
©
Esther Horvarth
Text
Thomas Merten
Lesezeit
0
Min
Erscheinungsdatum
05.06.2026

Klimawissen gerettet

Die Trump-Regierung führt auch Krieg gegen die Wissenschaft: Sie leugnet den Klimawandel, kürzt Milliarden bei Klima- und Umweltforschung und entlässt Tausende Fachleute. Behörden, die Messdaten zu Ozeanen, Atmosphäre und Artenvielfalt sammeln, werden ausgedünnt oder umgebaut, Forschungsplattformen gehen vom Netz.

Frank Oliver Glöckner will verhindern, dass das gesammelte Wissen verschwindet. Der gebürtige Bayer ist über die Mikrobiologie in die Informatik „reingerutscht“, wie er sagt, weil man viele Bakterien äußerlich kaum voneinander unterscheiden kann, sondern am besten anhand ihrer DNA-Sequenzen – und die verarbeitet man am Computer. So wurde er zum Datenbank-Experten. Heute leitet der 57-Jährige am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven ein Datenarchiv namens Pangaea – eine frei zugängliche Plattform für Erd- und Umweltdaten, gegründet 1987, inzwischen Hunderte Terabyte groß.

Als Ende 2024 die ersten Hilferufe aus den USA kamen, konnte Glöckners Team schnell reagieren. Seitdem übernehmen seine Fachleute gefährdete Datensätze der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde. Teils von Hand: Datensätze müssen systematisch geprüft und eingeordnet werden. „Die Hauptarbeit“, sagt Glöckner, „ist das Organisieren, nicht das Speichern.“

Was passiert, wenn Daten gelöscht werden? Glöckner vergleicht es mit dem Wetter: Vorhersagen sind heute so präzise, weil das Messnetz so dicht ist. Nähme man die Hälfte der Stationen weg, brächen die Prognosemodelle nicht zusammen, aber sie würden ungenau. Exakt das drohe nun bei Klimamodellen, wenn ein großer Datenlieferant wie die USA wankt. „Fehlt Klimawissen, bleibt politisches Handeln erst recht aus“, fürchtet er.

Glöckner freut sich, gegenüber Trump nicht ganz machtlos zu sein. Inzwischen übernehmen weitere deutsche Institute US-Daten aus ihren Fachgebieten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft will die Rettungsaktion über Jahre finanzieren.

Aber Glöckner mahnt: Engagement in Deutschland allein reicht nicht, Daten müssen dauerhaft dezentral gesichert werden. Denn Langzeitdaten – etwa die sechzigjährigen Messreihen des AWI vor Helgoland – lassen Klimatrends erst über Jahrzehnte erkennen. „Manchmal merkt man erst, wenn etwas weg ist, wie wichtig es war“, sagt er. Und fügt hinzu: „Daten sind Weltkulturerbe.“

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