Die „Wilde Feuerwehr“ von Sizilien
Rauch steigt in den Himmel, trockenes Gras flammt wie Zunder auf. Zwischen mannshohen Stauden stehen zwei Männer am Rand einer Landstraße zwischen den sizilianischen Städten Syrakus und Ragusa. Kein Helm, kein Schutzanzug: Jeans, langärmelige Hemden, Atemmasken, Sonnenbrillen, Hüte. Einer schlägt mit einer Feuerklatsche, selbst gebaut aus einem Wischmopp, auf das brennende Unkraut ein. Der andere spritzt Wasser aus einem Rucksacktank. Er heißt Romero Leone.

Leone ist um die vierzig, Vater von drei Kindern, Bauer – und illegaler Feuerwehrmann. Er löscht Brände, obwohl er dafür nicht ausgerüstet ist und sich damit strafbar macht, zusammen mit seinen Mitstreitern der Movimento Antincendio Ibleo (MAI), einer Bürgerbewegung zur Brandbekämpfung in der Region Ibleo.
Leone hat MAI im Jahr 2020 mit Nachbarn und Freunden gegründet, nachdem die Gegend um den Hof seiner Familie in Avola Antica in Flammen stand. Inzwischen zählt die Gruppe 300 Mitglieder. Die Oliven- und Johannisbrotbaum-Plantagen waren bedroht. Neun Stunden brauchten sie damals, um das Feuer zu löschen. Da hätten sie verstanden, dass sie zusammen etwas verändern können.
2021 wurden auf Sizilien 48,8 Grad gemessen, Rekord in Europa. 2025 lag der Höchstwert bei 45,7 Grad. Unter solchen Bedingungen entstehen aus Funken schnell Feuerwalzen und Brände breiten sich rasant aus.
Auf der Insel mit etwa 4,7 Millionen Einwohnern gibt es nur rund 2000 Feuerwehrleute. Die Forstbehörde ist überaltert, aufgrund von Sparpolitik und schlechter Verwaltung. Tankwagen schaffen es oft nicht ins schwierige Gelände der Monti Iblei, es gibt zu wenige Löschflugzeuge. Also gehen die Aktivisten zu den Bränden, die „sonst niemand löscht“.
In Italien dürfen nur ausgebildete und anerkannte Freiwillige bei der Brandbekämpfung helfen. Leone und seine Leute lehnen das ab, weil sie dann nicht zu den Brandherden dürften, sondern auf Löschflugzeuge warten müssten – die selten kommen. Werden sie entdeckt, droht ihnen Haft.
In den nächsten zwei Jahren geht die Hälfte der Forstarbeiter in Rente, dann packen noch weniger Leute an. Die „Wilde Feuerwehr“, wie sich Romero und seine Mitstreiter nennen, macht trotzdem weiter.



