Artenvielfalt in New York

Die Hüter des Hudson

Siddhartha Hayes und Rachel Swanson arbeiten fast täglich am Pier 40 am Hudson River. Er zählt Fische, analysiert Proben und dokumentiert Schadstoffe. Sie zeigt Schulklassen, wie Tiere und Wasserqualität zusammenhängen. Ihre Arbeit belegt: Der Fluss ist lebendiger, als viele New Yorker glauben.

Siddhartha Hayes und Rachel Swanson
©
Sascha Montag
Text
Kristin Kasten
Lesezeit
0
Min
Erscheinungsdatum
11.02.2026

Ist der Hudson River ein totes Gewässer? Diese Frage hören Siddhartha Hayes und Rachel Swanson, beide Anfang dreißig, am Pier 40 fast täglich. Viele New Yorker können kaum fassen, dass der Fluss wieder artenreich und lebendig ist. Industrieabfälle, Chemikalien und Abwässer ließen die Fischbestände einst einbrechen. „Aber heute ist der Hudson gesünder, als die meisten glauben“, sagt Hayes.

Die beiden arbeiten im Hudson River Park, der sich über mehr als sechs Kilometer westlich von Manhattan zieht. Am Pier 40 liegt das Wetlab, eine kleine Forschungs- und Bildungsstation. Swanson leitet die Lehrprogramme und zeigt Schulklassen und Besuchern, wie Tiere, Wasserqualität und ökologische Veränderungen zusammenhängen. Als Forschungsleiter zählt Hayes Fische, analysiert Proben und dokumentiert Schadstoffe. An den alten Pfählen des Piers ziehen die beiden Reusen aus dem trüben Wasser. Darin: kleine Krebse und Fische. „Wir haben hier Arten, die viel empfindlicher sind als wir Menschen“, sagt Swanson. „Dass sie im Hudson leben und sich vermehren, ist ein gutes Zeichen.“ Sogar Seepferdchen kommen vor, die man eher in wärmeren Meeren erwartet – mitten in NYC.

Entscheidend für eine große Biodiversität sind Rückzugsräume, die dem Hudson lange Zeit fehlten. Dabei spielen Austern eine Schlüsselrolle, die durch Überfischung und Stadtausbau fast verschwunden waren. „Sie bauen Riffe, filtern das Wasser und schaffen Lebensräume“, erklärt Swanson.

Gemeinsam mit anderen Projekten setzte das Team über Jahre rund dreißig Millionen junge Austern auf 350 künstlichen Riffbällen aus. Die Strukturen bieten Halt und Schutz. Ein großer Erfolg, aber „wir sind noch weit entfernt von der Größe der Bestände vor der Ankunft europäischer Siedler“, sagt Swanson. Heute leben allein im unteren Hudson rund 85 Fischarten. „Man sieht die Biodiversität nicht unbedingt“, sagt Hayes. „Aber sie ist da.“

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atmo

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