Handwäsche im Schleudergang
„Als Ingenieur kann man dem Planeten helfen oder ihm schaden, und ich wollte helfen“, erinnert sich Navjot Sawhney. Deshalb kündigte er seinen Job bei einem englischen Haushaltsgerätehersteller und ging 2017 für ein Sabbatjahr nach Südindien, ins Heimatland seiner Eltern. Er habe genug davon gehabt, Staubsauger für reiche Menschen zu entwickeln. Stattdessen traf er Divya, seine Nachbarin. Ihr wollte er helfen, denn statt zu arbeiten, wusch sie zwanzig Stunden pro Woche die Wäsche ihrer Familie, per Hand. „Ich versprach ihr, eines Tages mit einer Waschmaschine wiederzukommen“, sagt Sawhney.
Zurück in London machte er sich an Recherche und Konzeption und gründete die Firma The Washing Machine Project. Sawhney und sein Team führten dafür Gespräche mit mehr als 3000 Familien in Indien, Uganda, Nepal und auf den Philippinen.
Geschätzte sechzig Prozent der Weltbevölkerung, fünf Milliarden Menschen, waschen ihre Kleidung per Hand. In Ländern, in denen weder fließend Wasser noch Strom flächendeckend vorhanden sind, sind elektrische Waschmaschinen daher keine Lösung. „Handwäsche ist ein Chancenkiller“, sagt Sawhney. „Zeit, in der man sich nicht ausruht, nicht arbeitet, nicht lernt oder nicht spielt.“ Seine Lösung: eine handbetriebene Trommel mit Platz für bis zu sieben Kilo Wäsche. Sechs Minuten Kurbeln plus Einweichzeit reichen bei einem Waschgang. Ohne Akku, nur mit Muskelkraft. Dies spare 75 Prozent der Zeit und die Hälfte des sonst benötigten Wassers, sagt Sawhney. Entwicklung, Bau und Verteilung schafft seine Firma mit NGOs und Unternehmen.
In 15 Länder hat Sawhney die Maschinen bereits gebracht: in Flüchtlingslager in Uganda, im Irak und im Kongo, in Krankenhäuser und Waisenhäuser in Mexiko, in Townships in Südafrika. Er schätzt, dass er 100.000 Menschen damit erreicht hat. Sawhneys Ziel: Bis 2030 sollen es eine Million sein.




