Kreislaufwirtschaft

Baustoffe retten statt wegwerfen

Greta Braun rettet mit dem Verein „Schrott bewahre" Fensterrahmen, Teppiche und Acrylglas vor der Entsorgung und hofft, dass ihre Arbeit eines Tages überflüssig wird.

Greta Braun auf einem Vordach sitzend
©
Nói Crew; Timo Knorr
Text
Erik Klügling
Lesezeit
0
Min
Erscheinungsdatum
16.10.2026

Schrott happens

„Wenn wir lange genug an einer Utopie festhalten, schaffen wir irgendwann eine Realität, die okay ist“, sagt Greta Braun. Für sie heißt das: eine Welt, in der Firmen ihren Materialüberschuss frei zugänglich machen – ähnlich, wie es Supermärkte mit Lebensmitteln tun sollten, die sonst weggeworfen werden. Nur eben mit Fensterrahmen und Teppichresten. Bis dahin will die 31-Jährige mit „Schrott bewahre“ diese Lücke füllen. Der Hamburger Verein rettet Bau- und Bastelmaterialien vor der Entsorgung und bringt sie wieder in Umlauf. „Weil die Klimakrise so brennt, haben wir manchmal das Gefühl, dass unser Engagement nie genug ist.“

Greta Braun brach ihr Studium ab und ging in die Veranstaltungstechnik. „Ich habe schon viele Messebau-Jobs gemacht und dabei gesehen, wie verschwenderisch mit Material und Ressourcen umgegangen wird.“ Bei Schrott bewahre kümmert sie sich um die Kommunikation und packt im Betrieb mit an.

Der Verein begann 2023 in Kellerräumen, heute sitzt er im Viertel Hammerbrook. In den Räumen war vorher eine illegale Cannabisplantage. „Als die aufflog, sind wir eingezogen.“ Nun sieht es dort aus wie in einem Second-Hand-Baumarkt: Auf 450 Quadratmetern stapeln sich Fenster, Teppiche, Heizkörper, Acrylglas und ständig neue Materialien – oft muss Braun erst herausfinden, was sie vor sich hat. Die Sachen kommen von Messeständen, Kulturprojekten oder Firmen. „Nicht jede Tür öffnet sich von selbst. Manchmal braucht’s mehr treten als klopfen.“ Abnehmer sind zum Beispiel Privatpersonen und Musikfestivals. Finanziell trägt sich der Verein bisher dank Fördergeldern und der zwanzig Ehrenamtlichen. Er ist dafür offen, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten. Ein Spannungsfeld: „Natürlich besteht die Gefahr, für Greenwashing instrumentalisiert zu werden.“

Inzwischen klopfen große Häuser wie die Staatsoper Hamburg an. Oder Architekturbüros, die zirkulärer bauen wollen. Künftig, nach etwas Überzeugungsarbeit, solle es selbstverständlich sein, dass Firmen ihren Überschuss bereitstellen – „und unsere Arbeit überflüssig wird“.

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atmo

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