Grünes Geld

Gut anlegen – in fünf Schritten

Dein Geld arbeitet. Wäre doch schön, wenn diese Arbeit etwas Gutes bewirkt – oder zumindest nichts Schlechtes. Ein kleiner Leitfaden zur Orientierung.

Eine Person steht auf einer Leiter und steckt eine Euro-Münze in eine Erdkugel-Spardose mit einem Recycling-Symbol. Eine zweite Person steht unten, berührt die Kugel und schaut zu
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iStock
Text
Moritz Henrichfreise und Pablo Zanon
Lesezeit
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Min
Erscheinungsdatum
02.10.2026

1. Wohin mit dem Geld?

Wir sind alle Teil der Wirtschaft. Wenn Du Geld übrig hast, um es anzulegen oder damit fürs Alter vorzusorgen, triffst Du damit nicht nur eine persönliche Entscheidung. Du stellst es auch, beispielsweise, einer Bank oder einer Firma zur Verfügung. Und die investiert es. Dein Geld arbeitet. Wäre doch schön, wenn diese Arbeit etwas Gutes bewirkt – oder zumindest nichts Schlechtes.

Ein guter erster Schritt ist, mit Deinem Girokonto zu einer nachhaltigen Bank umzuziehen. Besonders empfehlenswert sind laut „Fair Finance Guide Deutschland“: GLS Bank, Tomorrow, Ethikbank und KD-Bank. Wenn Du es genauer wissen willst, findest Du hier den Bankenvergleich: fairfinanceguide.de/ffg-d/bewertung

2. Nummer sicher

Wenn Du – Schritt zwei – bei einer dieser Banken auch etwas Erspartes auf einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto anlegst, kann sie damit gemäß ihrer Grundsätze arbeiten. Auf dem Tagesgeldkonto gibt es in der Regel mehr Zinsen für Dein Geld. Die GLS Bank etwa zahlt für Tagesgeld zwischen 0,5 und 1,25 Prozent Zinsen pro Jahr (Stand September). Für Festgeld bekommst Du jährlich je nach Laufzeit zwischen 1,6 und 2 Prozent Zinsen.

Es empfiehlt sich, zunächst drei bis sechs Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto zu „parken“. Man weiß ja nie. Hast Du darüber hinaus weiteres Geld gespart, kannst Du einen Teil davon als Festgeld anlegen.

3. Oft grüngewaschen

Jetzt kannst Du über Schritt drei nachdenken: Geld am Aktienmarkt zu investieren. Dabei kaufst Du Firmenanteile über einen Fonds (aktiv gemanagt) oder ETF (automatische Nachbildung eines Index; deshalb preiswerter). Damit winkt, wenn es am Aktienmarkt gut läuft, eine deutlich höhere Rendite als beim Tages- oder Festgeld. Da es aber nicht immer gut läuft, gilt: Investiere nur den Teil Deines Geldes am Aktienmarkt, auf den Du einige Jahre verzichten kannst. Dann kannst Du schlechte Aktienzeiten notfalls aussitzen.

Die meisten Fonds oder ETFs sind „gleichgültig“, ethische Werte spielen bei der Zusammenstellung der Firmen keine Rolle. Es gibt aber auch solche, die versuchen, möglichst nachhaltige Firmen zu bündeln. Doch Vorsicht: Die meisten, die das von sich behaupten, flunkern. Wo „grün“ oder „nachhaltig“ draufsteht, ist nicht automatisch Nachhaltigkeit drin. Banken werben gern mit blumigen Namen wie Fair Future, Responsible Stock oder Green Balance, doch ob dahinter tatsächlich ökologische Unternehmen oder Projekte stehen, lässt sich auf den ersten Blick kaum erkennen. Auch Nachhaltigkeitslabels wie ESG, SRI oder UN-SDG sind oft nicht besonders aussagekräftig. So kann zum Beispiel auch ein Ölkonzern in einem ESG-Fonds landen, obwohl sein Geschäftsmodell erheblich zum Klimawandel beiträgt.

4. Gut beraten

Du hättest kein gutes Gefühl dabei, Dein Geld in einen solchen „Nachhaltigkeits“-Fonds zu stecken? Dann wird es Zeit für Schritt vier: Hol Dir Rat von vertrauenswürdigen Expertinnen und Experten.

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Aber Vorsicht: Gerade bei provisionsbasierter Beratung, beispielsweise durch Banken oder Sparkassen, kann es vorkommen, dass die Beratenden das empfehlen, woran sie selbst verdienen. Frag lieber unabhängige Organisationen, etwa die Verbraucherzentralen.

Auch für eine Online-Beratung sind die Verbraucherzentralen gute Adressen. Insbesondere die in Bremen (verbraucherzentrale-bremen.de) hat sich über Jahre intensiv mit nachhaltigen Geldanlagen beschäftigt.  

Eine weitere gute Online-Anlaufstelle ist das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Es vergibt Siegel (fng-siegel.org) für Fonds, die Mindestanforderungen an eine nachhaltige Geldanlage erfüllen. Kohlebergbau, Fracking und Rüstung beispielsweise sind ausgeschlossen (in der Regel mit einer Toleranz von bis zu fünf Prozent des Firmenumsatzes).

Wirf unbedingt auch einen Blick auf faire-fonds.info. Dort findest Du eine Datenbank mit mehr als 4000 Fonds und ETFs (und mehr als 1000 Unternehmen), die Du nach verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien durchsuchen kannst. So kannst Du prüfen, ob sie kontroverse Firmenbeteiligungen (wie Kohle, Öl, Gas, Entwaldung oder Menschenrechtsverletzungen) enthalten. Die Datenbank ist ein Gemeinschaftsprojekt des Vereins Facing Finance, der sich für einen sozial-ökologischen Umgang mit Geld einsetzt, und der NGO Urgewald, die viel Expertise im Aufdecken nicht nachhaltiger Finanzströme hat.

Eine Sache, die Dir klar sein sollte: In grüne Fonds oder ETFs zu investieren, ist sinnvoll für Deine Altersvorsorge – die wirtschaftliche Wirkung im Sinne der Nachhaltigkeit hält sich allerdings in Grenzen. Denn erwirbst Du auf diese Weise über die Börse Firmenanteile, fließt Dein Geld nicht an die Firmen selbst – sondern an den Vorbesitzer der Aktien. Einer der wenigen Hebel, etwas zu bewegen, ist das Rede- und Stimmrecht Deines Fondsanbieters auf den Hauptversammlungen der Firmen, an denen er Anteile hält. „In der Regel ist die Wirkung einer ökologischen Investition abseits der Börse vielfach größer“, sagt Max Deml, der seit 1990 das Buch „Grünes Geld“ herausgibt.

5. Das wirkt!‍

Du kannst nun – Schritt fünf – darüber nachdenken, wie Du einen weiteren Teil Deines Geldes so investierst, dass es besonders nachhaltig wirkt. Möglich ist das beispielsweise, indem Du Genossenschaftsanteile von Ökostromanbietern erwirbst, Anteile an Wind- oder Solarparks kaufst oder Dich an nachhaltigen Crowdfunding-Projekten beteiligst. Auf diese Weise erzielt Dein Geld einen direkten Effekt, Du stärkst damit Unternehmen und ermöglichst Investitionen, die Du gut findest. Teilweise werden auch hohe Renditen in Aussicht gestellt.

Allerdings ist bei solchen Investitionen auch die Gefahr besonders groß, dass sie Dir statt eines schönen Gewinns einen schmerzhaften Verlust bringen. Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust des investierten Geldes. Schau Dir also genau an, ob Unternehmen oder Projekte seriös sind und wirklich so unterstützenswert, wie es auf den ersten Blick scheint.

Und: Dein Notgroschen und Deine Altersvorsorge sind hier nicht gut aufgehoben. Steck nur so viel Geld in dieses Sparschwein, dass Du es verkraften kannst, wenn es eines Tages quiekend davonläuft und hinterm Horizont verschwindet.

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atmo

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