Neben der ewigen Kultkneipe Ankerklause erhebt sich das erste Mittelgebirge: Tomaten, Limetten, Bananen, Melonen, Erdbeeren. Der vollbärtige Mann dahinter preist megafonlaut die Heidelbeeren an, ausgerechnet. Die lagern in Plastikschalen – wie die Mini-Aprikosen daneben. Und was ist um die Bananenstrünke gewickelt? Kunststofffolie. Hm, ich schau mal weiter.
Das Maybachufer an einem Dienstag im Mai: Rund 300 Meter Buden und Stände liegen vor mir. Ein Feuerwerk an Farben, Früchten, Gerüchen und Rufen entlang des Berliner Landwehrkanals. Ich bin hier einerseits, weil ich etwas Nahrhaftes suche. Vor allem aber hoffe ich, etwas nicht zu finden: Kunststoffverpackungen.
Die Menge an Plastikmüll hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten weltweit und auch hierzulande verdoppelt. Jedes Jahr kommen allein in Deutschland weitere sechs Millionen Tonnen hinzu, mehr als die Hälfte davon sind Verpackungen. Von diesem sehr leichten Material werfen Durchschnittsmenschen jährlich etwa 36 Kilogramm weg. Mehr als die Hälfte davon wird verbrannt, der kleinere Rest zum überwiegenden Teil zu minderwertigen Produkten wie Parkbänken und Bahnschwellen verarbeitet. Sollte das Duale System mit dem Grünen Punkt und der Gelben Tonne, eingeführt 1991, je das Ziel gehabt haben, Kunststoffabfälle zu recyceln im Sinne einer Kreislaufwirtschaft, so ist es krachend gescheitert.
Zack. In einem Verkaufswagen schwingt ein breitschultriger Mann ein Hackmesser. Sein Kollege unterhält sich mit einem jugendlichen Kunden über Fußball, während er Hähnchenschenkel in eine Plastiktüte schiebt. „Sind die bio?“, frage ich. „Freilaufend. Darum sind die so klein. Von unserem Hof bei Bremen.“ Würde er die Hähnchen in einen Behälter packen, den ich mitbringe? – „Klar“, sagt er. „Viele Kunden bringen ihre Box von zu Hause mit. Ich kippe Herzen, Leber, Brust, Keule rein, so viel sie wollen.“
Im Supermarkt ist ein einzelnes Stück Fleisch von einer Mischung verschiedener Plastiksorten umhüllt. Nicht nur besteht die Schale aus anderem Material als die daran haftende Folie – auch die Folie selbst besteht aus mehreren Schichten verschiedener Polymere (Molekülketten), von Polyethylen über Polyester bis Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer. Manche sind undurchlässig für Sauerstoff, andere für Wasserdampf, dritte lassen sich gut bedrucken. Für UV-Schutz, Stabilität und Dehnbarkeit sorgen chemische Zusätze, sogenannte Additive. Um all diese Stoffe zu verschweißen, sind noch mehr Kunststoffe als Zwischenschicht nötig. Das Endprodukt ist aus ingenieurtechnischer Sicht ein komplexes Wunderwerk – im Sinne einer Kreislaufwirtschaft wertloser Restmüll.
Vier Etappen zur Lösung des Problems
Was brächte die wachsenden Berge aus Wegwerfplastik zum Schwinden? Wo genau sitzen die Stellschrauben, die unseren Umgang mit Kunststoffen ändern würden? Was können Industrie, Politik, jeder und jede Einzelne tun?
Refuse, Reduce, Reuse, Recycle – mit diesen Begriffen versuchen Fachleute das Problem und mögliche Lösungen in Etappen zu gliedern. Refuse bezeichnet den Versuch von Verbraucherseite, sich dem kunststoffumwickelten Ex-und-hopp-Konsum zu verweigern. Er wirkt freundlich, aber beschränkt. Der Trend der Unverpackt-Läden, die diesen Ansatz 2014 zum Programm machten, hat sich mittlerweile umgekehrt. Von bundesweit einst 330 Geschäften sind rund 240 übriggeblieben. Als Hauptgrund gilt die mangelnde Bereitschaft, höhere Preise als im Supermarkt zu zahlen. Auch finden es viele zu umständlich, eigene Behälter mitzubringen.
Vielleicht funktioniert Refuse nur jenseits profitmaximierender Ökonomie – wie am Maybachufer. Hier gibt es enorm viel Personal, entspannte Gesichter, Zeit zu plaudern. Als würde hier eine Art Droge versprüht, die den Effizienzmodus ausschaltet – man lässt sich treiben, probiert, kauft spontan. Genau das ist einer der Gründe, weshalb wohl auch Wochenmärkte das Plastikproblem nicht lösen. Die meisten Menschen wollen schnell und effektiv um die Ecke und möglichst jederzeit einkaufen – oft nach Feierabend, wenn die Marktstände längst abgebaut sind.
Polymere für Jahrhunderte
Jürgen Bertling vom Fraunhofer-Institut für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen hat sich intensiv mit Reduce und Reuse beschäftigt. Er sieht die Kurbeln, um am ganz großen Rad zu drehen, Hebel für eine echte Kreislaufwirtschaft, nicht auf Verbraucher-, sondern auf Herstellerseite. Die Industrie sollte sich auf wenige Plastiksorten konzentrieren für einfache, stabile Behältnisse. Diese sollten über Jahre zirkulieren durch eine radikale Ausweitung des Mehrwegsystems.
Bei der Herstellung favorisiert Bertling Polyester. Zu dieser Kunststoffgruppe gehören verschiedene Polymere, das bekannteste ist Polyethylenterephtalat (PET), aus dem die meisten Plastikflaschen gefertigt werden. Polyester habe zwei große Vorteile: Es sei für alle heute üblichen Zwecke einsetzbar. Und es lasse sich am Ende durch Mikroorganismen und deren Enzyme in seine molekularen Bestandteile zerlegen.
Theoretisch zumindest. Noch forscht man vor allem im Labor, doch Fachleute zeigen sich zuversichtlich, „enzymatisches Recycling“ bald im industriellen Rahmen durchführen zu können. Für PET werden in Frankreich bereits kommerzielle Anlagen gebaut. Aus den einzelnen Molekülen sollen dann mit geringem Energieaufwand neue, gleichwertige Produkte hergestellt werden.
Die meisten heute kursierenden Verpackungen, rund siebzig Prozent, bestehen jedoch aus Polyolefinen. Diese Kunststoffe bilden Verkettungen, in denen Mikroorganismen nur schwer Angriffspunkte finden. Das Material übersteht Jahrhunderte, zerbröselt durch mechanische Einwirkung wie Druck, Reibung, Brüche oder Versprödung. Statt vollständig zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut zu werden, wird es nur kleiner – bis es die Welt als Mikroplastik vermüllt.
Warum sind dennoch mehrheitlich Polyolefine im Einsatz? „Aus historischen Gründen“, sagt Bertling. Als noch kaum jemand über Umweltprobleme sprach, hätten sich Hersteller auf einzelne Kunststoffsorten spezialisiert. Deren Umsatz steigern sie seitdem, indem sie „ihre“ Sorte in so viele Märkte wie möglich drücken. Je mehr sie davon herstellen, desto billiger wird es. Und desto schwieriger wird es für Konkurrenten, umweltfreundlichere Polymere einzuführen, die teurer sind, solange sie in kleinen Mengen hergestellt werden.
Diese Dynamik blockiert zugleich Mehrwegsysteme. Die chemische Industrie wie BASF und Evonik schaffe 15 bis 20 Prozent ihres Umsatzes und etwa ein Drittel der Produktionsmenge mit Kunststoffen, so Bertling. „Warum sollte sie wiederverwertbare, langlebige Behältnisse entwickeln, die ihr Kerngeschäft ruinieren würden?“ Die Fabrikanten verdienen weder am Recycling noch an Mehrwegsystemen.
Start-Ups mit System
Wer bei Lidl, Aldi und Co. das Treiben an den Leergutautomaten beobachtet, stellt fest: Die Rückgabe von Kunststoffflaschen läuft prima. Doch was dort hineingeschoben wird, landet größtenteils knackend und knirschend in einer Presse. Rund vierzig Prozent aller Getränke in Deutschland werden in Einweg-, nur neun Prozent in Mehrwegplastikflaschen verkauft. Rund 400.000 Tonnen Material werden pro Jahr zu 17 Milliarden Einwegflaschen aufgeblasen. Zur Hälfte besteht das Material aus recyceltem PET, die andere Hälfte verschlingt 360.000 Tonnen Erdöl und Erdgaskondensate. Die Deutsche Umwelthilfe hat berechnet, dass Mineralwasser in PET-Einwegflaschen über den gesamten Lebenszyklus etwa doppelt so viel CO2 freisetzt wie in PET-Mehrwegflaschen
Der große Wurf, das zu ändern, fehlt bisher. In Nischen aber, jenseits der großen Handelsketten, treiben Start-ups den Reuse-Ansatz voran: Sie entwickeln eigene Mehrwegsysteme. Recup, 2016 in München gegründet, nimmt die Müllflut der To-go-Gastronomie ins Visier. In bereits 20.000 Cafés, Restaurants und Kantinen erhalten eilige Hungrige und Durstige ihre Speisen und Getränke auf Wunsch in geliehenen Recup-Bechern und -Schalen für ein Pfand zwischen ein bis fünf Euro. Vytal aus Köln, seit 2019 im Geschäft, versucht es statt mit Pfand mit Strafandrohung. Der Kunde bekommt das Behältnis umsonst – für zwei Wochen. Gibt er es in diesem Zeitraum nicht zurück, wird eine Verzugsgebühr von vier bis zehn Euro fällig. Mitmachen kann nur, wer sich mit seinen persönlichen Daten per App angemeldet hat. Neuerdings steckt im Plastik auch ein Ortungschip für Becher, Pizzaschachteln und Burger-Boxen.
In die Hallen der Handelsketten wagt sich seit 2021 ein weiteres Unternehmen: Sykell will Supermarktverpackungen im Kreislauf führen. Zunächst mal am Salatbuffet. Bei Rewe kann man verzehrfertige Feinkost in einen „Einfach Mehrweg“-Behälter schaufeln, dann deckeln, abwiegen, Etikett draufkleben, an der Kasse mit 2,50 Euro Pfand bezahlen und später den gängigen Leergutautomaten überantworten.
Ein Selbstversuch in einer Filiale in Prenzlauer Berg offenbart Schwächen. An der Stirnseite der Salatbar herrscht eine verwirrende Vielzahl von Einpack- und Transportmöglichkeiten. Vor allem beschichtete Einwegpappschüsseln und Einwegholzbesteck liegen bereit. Im Fach darüber Plastikbestecksets – zum Kaufen, nicht zum Leihen. Erst dann entdecke ich in einem halbgeschlossenen Aufsteller die dunkelgrauen Behältnisse von Sykell. Ein Schild, das das Pfandsystem in drei Schritten erklärt, hätte ich ohne Vorbildung nicht mit diesen Behältern in Verbindung gebracht. Gewusst wie, läuft es allerdings prima. Nebenan eine Käsetheke. Ob das hier auch funktioniert?
Die Verkäuferin macht große Augen, berät sich mit einer Kollegin, die beiden studieren die Drei-Schritte-Anleitung, sie sagt Ja. Nimmt vom Manchego, auf den ich zeige, ein vorgeschnittenes, eingewickeltes Stück. „Geht das auch ohne Plastikfolie?“ „Sicher“, sagt sie, wickelt den Käse aus der Folie und schlägt ihn in Wachspapier ein. „Würden Sie mir auch ein neues Stück vom Rad schneiden – ganz ohne Folie?“ Sie schaut auf die vier bereits folierten Manchegostücke: „Ungern.“
Pfand für alle – und Fast alles
Im Prinzip weisen diese Ansätze in die richtige Richtung, sagt Jürgen Bertling. Ihm schwebt eine Kombination aller drei Start-up-Ideen vor, aber in viel größerem Maßstab. In seiner Vision befänden sich Lebensmittel im Supermarkt in Pfandbehältnissen verschiedener Größen. Daheim geleert, müsste man sie nicht zum Supermarkt tragen, sondern in eine hauseigene Mehrwegtonne werfen. Von einer Transportfirma abgeholt, dann durch eine Reinigungsanlage geschickt, landeten sie schließlich zur Wiederbefüllung bei den Lebensmittelerzeugern. Das Pfand würde über ein personalisiertes Trackingsystem mit Ortungschips geregelt: Die Nutzungsgebühr, die beim Einkauf vom Konto abgebucht würde, erhielte man zurück, wenn der Behälter zum Beispiel die Spülanlage erreicht.
In dieser Vision bekommen biobasierte Kunststoffe eine neue Bedeutung. Heute gelten sie zwar als potenziell klimafreundlich, weil sie nicht aus Erdöl, sondern aus Mais oder Zuckerrohr gewonnen werden. Jedoch stehen sie in der Kritik, weil sie oft intensiv bewirtschaftete Ackerflächen beanspruchen, auf denen Nahrung wachsen könnten. In einer klugen Kreislaufwirtschaft aber bräuchte man nur geringe Mengen pflanzlicher Rohstoffe, rechnet Bertling vor. In einer fiktiven Wegwerfgesellschaft würden zum Beispiel 100.000 Einwegverpackungen pro Jahr verbraucht. Diese könnten durch 15.000 Mehrwegbehältnisse mit durchschnittlich zwanzig Umläufen ersetzt werden. 750 etwa würden pro Jahr aussortiert, weil sie den Qualitätskriterien nicht mehr genügen. Der Großteil davon wird eingeschmolzen, das Granulat zu neuen Behältern verarbeitet.
Nur ein Rest, vielleicht 250 Dosen, Becher, Schachteln und Flaschen, wird ganz ausgemustert, weil das Material erschöpft ist, zur Wiederverwertung nicht mehr taugt. Diese 250 – und nicht 100.000 – Packungen einer Wegwerfwirtschaft müssten dann durch neu produzierte ersetzt werden. Für diese überschaubare Zahl biobasierte Kunststoffe zu verwenden, hält Bertling für vertretbar, vorausgesetzt, man nähme als Rohstoff vor allem Agrarabfälle und würde daraus Polyester herstellen. „Die Vorteile würden überwiegen: viel geringerer CO2-Ausstoß, weniger Abhängigkeit von erdölexportierenden Staaten, kein Mikroplastik als Restmüll.“
Gelänge es, ein umfassendes Mehrwegsystem zu etablieren, wäre der Stellenwert von Recycle, der vierten Etappe nach Refuse, Reduce und Reuse, eher klein. Momentan ist es umgekehrt: Nur etwa zehn Prozent der erzeugten Plastikbehältnisse zirkulieren – umso gigantischer der Aufwand, aus der Einwegmüllflut etwas Brauchbares zu fischen. Neuere Sortieranlagen erreichen die Größe von Fußballstadien. Site Zero in Motola, Schweden, die als modernste Recyclingfabrik der Welt gilt, durchzieht ein fast fünf Kilometer langes Geflecht von Förderbändern. Neben grober Technik wie Siebtrommeln und Ventilatoren, die nicht recycelbare Folien absaugen, kommt Hightech zum Einsatz. Per Infrarotspektroskopie werden Plastiktypen ermittelt. Computer errechnen aus der Wellenlänge reflektierter Infrarotstrahlen Farbe und Polymerverbindung und aktivieren Luftdüsen, die das identifizierte Material mit kurzen Luftstößen in verschiedene Container pusten.
In den immer ausgetüftelteren Anlagen sieht Berling einen Hemmschuh für wirklichen Wandel. „Maschinenbauer sind stolz auf solche Anlagen“, sagt er, selbst studierter Ingenieur. Eine ganze Branche könne sich bedroht fühlen von der Aussicht auf ein funktionierendes Mehrwegsystem mit wenigen, klar bestimmten Polymeren. Denn dann ist statt Recycling Reinigung gefragt. „Ingenieure finden Infrarotspektroskopie leider spannender als Spülstraßen.“
Außenstehenden mögen solche Befindlichkeiten angesichts des weltweit wuchernden Müllproblems irrational vorkommen. Doch sie könnten, ähnlich wie die profitgetriebene Produzierlust der chemischen Industrie, die Transformation blockieren. Um so wichtiger wäre die wegweisende Macht von Gesetzen.
Strategie mit Lücken
Ein vielversprechendes Fundament setzte 2018 die EU-Kunststoffstrategie. Erklärtes Ziel: „Bis 2030 sind alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen wiederverwendbar oder können kosteneffizient recycelt werden.“ Schlecht zu recycelnde Stoffe sollen ersetzt und innovative, nachhaltige Materialien entwickelt werden. Fachleute kritisierten schon damals, dass konkrete Vorschläge zur Umsetzung fehlen. Immerhin folgte 2021 ein Verbot für Wegwerfplastikprodukte wie Trinkhalme, Besteck, Styroporbehälter für Mitnehm-Speisen und -Getränke. Ab 2030, heißt es, sollen sogar alle Take-away-Wegwerfpackungen aus dem Verkehr gezogen werden, ebenso ultradünne Plastiktüten, wie sie in Gemüseabteilungen zu finden sind. Überhaupt soll frisches Obst und Gemüse dann nicht mehr in Plastik verpackt, Soßen, Gewürze und Ähnliches wie Ketchup, Sahne oder Zucker nicht mehr in Mini-Einzelpäckchen gefüllt werden, ebenso Hygieneartikel in Hotels.
Eine riesige Chance bot die EU-Ökodesign-Verordnung von Juli 2024: Schrittweise sollten nicht nur für Plastik, sondern für eine Vielzahl von Materialien Haltbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Ressourceneffizienz und Klimafreundlichkeit gesteigert werden. Ein großer Schritt Richtung Kreislaufökonomie schien möglich. Doch dann, vor wenigen Wochen im April 2025, strich die EU-Kommission ausgerechnet Kunststoffe und andere Chemikalien von der Liste. Die Chemieindustrie hatte im Vorfeld Stimmung gegen die Verordnung gemacht, doch diesen Rückzieher hatten selbst Fachleute nicht erwartet.
Wenn also die Macht von Verordnungen, Gesetzen und Verboten vorerst ausbleibt – was sonst kann die Transformation in Schwung bringen? Vielleicht Anreize, die Lust auf Gewinn im persönlichen Austausch. Die Unverpackt-Läden hätten eine konsolidierende Talsohle erreicht, ist vom Bundesverband zu hören. Läden mit gutem Konzept, Service und Ambiente würden überleben, zig neue seien in Planung. Wochenmärkte haben ebenfalls Potenzial: Die Geschäfte liefen größtenteils gut, heißt es bei der Fachgruppe Wochenmärkte im Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute. Nicht jeder wolle den Job machen, aber die Nachfrage sei da.
Plastikfreie Markt-Wirtschaft
Märkte stellen Einkaufsroutinen auf den Kopf. Vorgefertigte Listen lösen sich in Wohlgefallen auf, nirgendwo kaufe ich planloser ein. Doch gerade das gefällt mir. Refuse als das neue Relax? Ich mag die unwiderstehlichen Angebote (ein Bund Möhren: 1,50 Euro, zwei Bund: 2 Euro), den Mangoverkäufer, der die passenden Reifegrade heraussucht – „eine für jetzt, die andere in drei Tagen“ – sein geschmettertes „Tschulliung“, als er die Früchte beinahe in einer Plastiktüte versenkt statt direkt in meinen Rucksack, worauf sich sein Kollege freut, ebenfalls „Tschulliung“ brüllt, beide ein paar Tanzschritte wagen, in die Hände klatschen. Ganz besonders gefällt mir der Stand mit den vielen Nüssen und Beeren im riesigen Setzkasten. Beim ersten Besuch erzählt die Verkäuferin von den Maulbeerbäumen in ihrer Heimat am Schwarzen Meer. Beim zweiten guckt sie sich verschwörerisch um, „Chef gerade nicht da“, und kippt eine Schaufel gratis dazu – in die „Einfach Mehrweg“-Box übrigens. Die aus dem Supermarkt. Pfand hole ich mir später.




