Wissenschaftlerin

Klimapionierin

1856 Eunice Foote füllt ein Glas mit Kohlendioxid, stellt es in die Sonne und beweist damit erstmals den Treibhauseffekt. Den Ruhm dafür erntet ein Mann.

Eunice Foote
©
mauritius images / Pictorial Press / Alamy
Text
Svenja Beller
Lesezeit
0
Min
Erscheinungsdatum
07.10.2026

Eunice Newton wird 1819 als entfernte Verwandte des Mathematikers Isaac Newton im US-Bundesstaat Connecticut geboren, und damit zu einer Zeit, in der Frauen kein Wahlrecht haben (das werden sie in den USA erst hundert Jahre später erstreiten) und unter der Vormundschaft ihrer Ehemänner stehen (was sich erst nach rund 150 Jahren ändern sollte). Aber sie genießt auch das Privileg einer reichen Familie, die sie auf das Troy Female Seminary schickt, das Mädchen als landesweit erstes Internat die gleichen Bildungschancen wie Jungen bietet. Sie entwickelt eine Leidenschaft für Naturwissenschaften, heiratet den Anwalt und Hobbyerfinder Elisha Foote und meldet mit ihm zusammen mehrere Patente an, unter anderem für nicht quietschende Gummisohlen.

1856 stößt sie das Experiment an, das ihr Leben hätte verändern können, wäre es gebührend beachtet worden: Sie füllt einen Glaskolben mit Kohlendioxid, einen weiteren mit „gewöhnlicher Luft“ und stellt beide in die Sonne. Sie sieht, dass sich das Glas mit dem CO2 stärker erhitzt – und die Wärme auch länger speichert. Sie schlussfolgert: „Eine Atmosphäre dieses Gases würde unserer Erde eine hohe Temperatur verleihen.“ Sie veröffentlicht ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „American Journal of Science and Arts“, in der sie auch schreibt: „Wenn sich, wie manche annehmen, die Luft in einem bestimmten Zeitraum ihrer Geschichte zu einem größeren Anteil mit ihm vermischt hätte, hätte dies zwangsläufig zu einer erhöhten Temperatur geführt.“ Dieser erste Nachweis des Treibhauseffekts wird auch auf der Tagung der „American Association for the Advancement of Science“ vorgestellt – allerdings nicht von ihr, sondern von ihrem männlichen Kollegen Joseph Henry.

Den Ruhm wiederum erntet ein Dritter: der Ire John Tyndall, der den Treibhauseffekt drei Jahre nach Foote erneut nachweist. Unklar ist, ob er von Footes Experiment wusste und ob ihre Nichtbeachtung daran liegt, dass Foote eine Frau ist oder Amerikanerin – damals nimmt Europa sich als Zentrum der Wissenschaft wahr. Nach Tyndall wird jedenfalls ein Mondkrater benannt. Und Foote wendet sich bald wieder dem Kampf für das Frauenwahlrecht zu. Zufällig entdeckte der Geologe Raymond Sorenson sie 2010 wieder – dank seines Faibles für alte Fachzeitschriften.

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