Raus aus dem Pedal-Patriarchat
Schon als Isabell Eberlein klein war, bedeutete das Fahrrad für sie Freiheit. Ihre Großmutter brachte sie auf dem Gepäckträger in den Kindergarten. „Meine CSU wählende Oma vom fränkischen Dorf war da ganz ideologiefrei“, erinnert sich die 38-Jährige. Heute sitzt sie am liebsten auf dem Heimtrainer-Sattel. Die Wände ihres Büros zieren Bilder mit Bikes.
Ihre Liebe zum Fahrrad entdeckte Eberlein während ihres Studiums in Amsterdam. „Dort erlebte ich, wie das Rad zum Alltagsverkehrsmittel wird, wenn die Umgebung stimmt“, sagt sie. Zurück in Deutschland, wollte sie Berlin fahrradfreundlicher machen und engagierte sich dafür ehrenamtlich.
Heute arbeitet sie als Geschäftsführerin der Agentur Velokonzept, die Fahrradfestivals organisiert und Städte und Kommunen dabei berät, wie sie den Radverkehr fördern können. Doch bei ihrem Start dort spürte sie Gegenwind: „Tummeln sich im ehrenamtlichen Bereich viele Frauen, war ich plötzlich als Chefin auf Podien oder in Meetings oft allein unter Männern.“
Auf Radmessen suchte sie verzweifelt Damentoiletten – viele waren zu Herrentoiletten umgewidmet worden. Nur 30 Prozent der Top-Management-Positionen in der Fahrradwirtschaft sind weiblich besetzt. Besonders Handel, Entwicklung, Vertrieb und Produktion sind in Männerhand – in den beiden letzteren Bereichen arbeiten nur zu 22 Prozent Frauen.
Deshalb gründete Eberlein den deutschen Ableger des Vereins „Women in Cycling“. Die Ziele: Frauen in der Radbranche vernetzen, Mentoring, den Gender-Pay-Gap schließen und mehr Frauen in Führung und auf Panels bringen. 1200 Frauen tauschen sich in ihrer LinkedIn-Gruppe aus, 300 erreicht Eberlein bereits mit einem Newsletter, 30 engagieren sich regelmäßig. Seit Kurzem wird der Verein vom Bundesverkehrsministerium gefördert. „Wir wollen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Potenzial besser ausschöpfen“, sagt Eberlein.



