Retrofit-Start-up aus Berlin

Zweitakter raus, Zukunftsantrieb rein

Carlo Schmid verkaufte seine Schwalbe nach kurzer Zeit wieder, weil sie eher ein Schrauberprojekt als ein Fortbewegungsmittel war. Heute macht er mit seinem Berliner Start-up Second Ride alte Mopeds elektrisch. Das Team hat bereits mehr als 1000 Zweiräder umgebaut.

Carlo Schmid
©
Verena Brüning
Text
Hanna Gieffers
Lesezeit
0
Min
Erscheinungsdatum
10.04.2026

Mit 17 Jahren knatterte Carlo Schmid mit seiner Schwalbe durch die Berliner Vororte. Doch nach kurzer Zeit verkaufte er den Zweitakter enttäuscht wieder. „Es war mehr ein Schrauberprojekt als ein Fortbewegungsmittel“, erinnert sich der Maschinenbauingenieur. Heute, zehn Jahre später, kann er sich auf dem Hof seiner Berliner Firma Second Ride in Tempelhof-Schöneberg aus zahlreichen Mopedmarken eine aussuchen: Zündapp, Simson und wieder Schwalbe. Mit einem Unterschied: Sie knattern nicht mehr. Denn unter ihren Sitzbänken surrt ein Elektroantrieb.      

Was als Projekt an der TU Berlin begann, ist seit 2022 ein von ihm und Sebastian Marten gegründetes Start-up mit 17 Mitarbeitenden, das mittlerweile mehr als tausend Zweiräder, ehemals mit Verbrennermotor, elektrifiziert hat. „Wir möchten mit diesem Retrofit-Konzept die Verkehrswende beschleunigen“, sagt Schmid. „Außerdem ist es eine CO2-ärmere, emotionalere und meist auch günstigere Alternative zum Neukauf von Elektrofahrzeugen.“ Der Umbau verursacht nur halb so viel CO2 wie die Produktion eines neuen E-Mopeds.

Die Idee, alte Fahrzeuge umzurüsten, ist nicht neu. Entscheidend ist jedoch, dies massentauglich zu machen. Hier setzt Second Ride an: Die Firma verkauft fertige Umbausets mit Antriebsmodul, Akku und Armaturen, die laut Carlo Schmid in weniger als drei Stunden selbst eingebaut werden können – oder von Fachleuten. Diese Kits verkaufen er und sein Team ab 2700 Euro. Umgebaute Mopeds leisten bis zu 20 PS, haben eine Reichweite bis zu 110 Kilometern, fahren bis zu 90 Kilometer in der Stunde schnell. Hartnäckig nahmen sie die technischen Hürden und räumten auch das größte rechtliche Hindernis aus dem Weg: ein Gutachten, damit die umgebauten Mopeds auch ohne erneute Zulassung auf die Straße dürfen.

Die nun größte Herausforderung: „Bisher wurde ein Umstieg auf E-Fahrzeuge oft als politisches Statement wahrgenommen“, sagt Carlo Schmid.

Als Maschinenbauer findet er diese Debatte völlig absurd. Er hofft, dass sich die beste und nachhaltigste Technologie durchsetzt – für ihn klar der Elektromotor.

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atmo

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